Berliner Nachtleben: Macht der billige Sex alles kaputt?

Das Berliner Nachtleben genießt international einen absoluten Top-Ruf. Nicht nur die Feier-Fans aus aller Welt loben die deutsche Hauptstadt in vollen Tönen, sondern auch die Fach- und Kulturjournalisten der großen Tages- und Wochenzeitungen aus den USA, Großbritannien, Spanien und Frankreich.

In Berlin gibt es nicht nur coole Locations und ausgefallene Musik, sondern auch viele feierwillige „Partypeople“, die nicht nur an den Wochenenden bis weit in den nächsten Morgen durchfeiern. Besonders junge Besucher aus dem Ausland schätzen das Berliner Nachtleben – nicht zuletzt auch wegen der vielen Möglichkeiten. Sex spielt hier natürlich auch immer eine Rolle. In wohl kaum einer anderen europäischen Metropole kann man an so vielen Orten einer Stadt ein schnelles Abenteuer finden wie an der Spree.

Nur noch Touristen und billiger Sex?

Berlin „rockt“ also, doch dieser Ruf ist womöglich in Gefahr, denn in einigen großen Medien wird derzeit ein wahrer Abgesang auf die deutsche Hauptstadt als wilder Hotspot für heiße Nächte gefeiert. So titelte die in New York erscheinende (und viel gelesene) Internetseite Gawker „Berlin is over!“, also „Mit Berlin ist es vorbei!“. Und die US-Version des Musikmagazins Rolling Stone lässt sich gleich über mehrere Seiten darüber aus, warum Berlin nicht mehr „in“ ist.

Ist doch egal, mag der eine oder andere denken, sind doch bloß irgendwelche ausländischen Blätter. Doch sind diese Medien (und noch viele andere natürlich) ein wichtiges Kriterium für fast alle ausländischen Party-People, die es nach Berlin zieht. Die meisten haben sich erst dann ein Ticket nach Germany gekauft, als es eine spannende und heiße Rezension in einer dieser Veröffentlichungen gab.

Doch woher dieser plötzliche Sinneswandel? Wieso soll den Berlin nun plötzlich nicht mehr angesagt sein? Die Erklärung ist paradox: Eben jene vielen Besucher aus dem Ausland sollen daran schuld sein, dass Berlin nicht mehr angesagt ist! Denn angesagt ist nur, wer ein Flair von Geheimnis und Verrucht mit sich bringt. Ein Hauch von Verbotenem hat den großen und bekannten Techno-Clubs zu ihrer Beliebtheit und ihrer Berühmtheit verholfen. Tanz-Schuppen wie das Berghain haben geradezu einen mystischen Ruf – nicht zuletzt wegen den strengen Türstehern, die bei weitem nicht jeden reinlassen.

Sex, Erotik, Escort – Berlin lebt!

Nun aber scheint diese Mystik verlorengegangen zu sein, denn vielerorts fühlt es sich so an, als ob direkt vor der Eingangstür ein Reisebus mit durchreisenden Touristen halt gemacht und seine Passagiere im Club abgeladen hätte. Auf der Tanzfläche und an der Bar tummeln sich dann scharenweise Jung-Touristen. Für diese Locations wird es in der Tat schwer, die wirklichen Club-Gänger anzulocken.

Doch Berlin besteht schließlich nicht nur aus einer Handvoll Tanzschuppen. Es gibt gerade im Zentrum dermaßen viele Ausgehmöglichkeiten, dass man das einzigartige Berliner Nacht-Flair noch problemlos finden kann! Wer auf der Suche nach Gleichgesinnten, womöglich nach Erotik und Sex ist, wird in Berlin immer noch keine Probleme haben, auf seine Kosten zu kommen. Und zur Not findet man im Internet eine bezaubernde Escort-Lady, die mit einem die Nacht zum Tage macht.

Auch wenn die Medien, die Berlin einst zum „hippsten Ort der Erde“ erkoren haben, die Stadt durchaus mit Recht abgefeiert haben, darf man dem Gespür der Trend-Watcher aus Übersee misstrauen: Bei Gawker wird als Berlin-Nachfolger doch tatsächlich Sotschi genannt, dem in Windeseile aufpolierten Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014!