Erotikschiffe auf dem Bodensee erhitzen die Gemüter

Am Bodensee geht es derzeit hoch her – allerdings zunächst nur verbal, denn dass es auf Ausflugsschiffen des Sees am Alpenvorland tatsächlich zur Sache geht, finden nicht alle lustig. Besonders die Kommunalpolitiker empören sich öffentlichkeitswirksam. Dabei überrascht es nicht, dass im Mai Kommunalwahlen anstehen, ohne die die Aufregung wohl nur halb so groß wäre. Aber der Reihe nach.

Nicht zum ersten Mal stechen in den kommenden Wochen wieder zwei Ausflugsschiffe unabhängig voneinander in See und geben ausgewählten Passagieren die Möglichkeit, sich an Erotik und Sex zu erfreuen. Auf dem Wasser, weit weg von Ufern und damit möglichen Passanten, die daran Anstoß nehmen könnten. Im Juni geht die „MS Schwaben“ als „Torture Ship“ (zu Deutsch etwa: Folterschiff) auf Tour, während im August ein zweites Schiff mit Swingern an Bord zu einem Tagesausflug ablegt.

Plötzliches Interesse der kommunalen Politik

In diesem Jahr ist das bunte Treiben jedoch einigen Leuten ein Dorn im Auge, obwohl auch schon in der Vergangenheit nichts verheimlicht oder in irgendeiner Form anders gemacht wurde. Während eine Kommunalpolitikerin der CDU Friedrichshafen laut tagesspiegel.de die beiden Veranstaltungen als „unanständig“ geißelte, lehnte der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt, ebenfalls CDU, die „Vermietung von Schiffen aus der BSB-Flotte für Sex-Veranstaltungen“ in einer Pressemitteilung gleich vollständig ab.

Borchardt gehe es allerdings nicht um eine generelle Ablehnung von „Party-Veranstaltungen gleich welcher sexueller Gesinnung oder Orientierung“, so der OB in dem Zeitungsbericht, doch müsse geprüft werden, ob die Schiffe der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) (einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Stadtwerke Konstanz) für kommerzielle Sex-Veranstaltungen vermietet werden dürften. Dass die vermeintlich lockere Haltung gegenüber diesen „Party-Veranstaltungen“ im krassen Widerspruch zu diesem Ansinnen steht, scheint ihn allerdings nicht zu stören.

Was die Veranstalter der Schiffstouren nachhaltig irritiert, ist das plötzliche Interesse an den Fahrten, die es in dieser Form schon seit mehreren Jahren gibt – und die bislang niemanden gestört hatten. „Wir fahren seit 17 Jahren mit dem Schiff“, sagt Veranstalter Thomas Sigmund gegenüber tagesspiegel.de. „Und jetzt tun alle so, als hätten sie noch nie was davon gehört.“ Veranstalter Thomas Weiss, der das Swinger-Schiff organisiert, kann die Aufregung ebenfalls nicht verstehen. Seine Veranstaltung gebe es seit drei Jahren. In diesem Zeitraum habe es ebenfalls nicht eine einzige Beschwerde gegeben.

Viel Tanz, wenig Anzügliches

Weiss unterstreicht zudem, dass es sich keinesfalls um eine „Sex-Veranstaltung“ handle, wie es in den Medien häufig heißt. Die Veranstaltung habe zwar einen „erotischen Charakter“, doch würden über 80 Prozent der Gäste in erster Linie wegen des Tanzes kommen, so Weiss laut tagesspiegel.de. Wer mehr wolle, könne sich in den „Chill-out-Bereich“ zurückziehen. Wenn es also tatsächlich um Sex geht, schützen sich die Swinger vor den Blicken Neugieriger, auch auf dem Wasser.

Warum also die plötzliche Aufregung? Geht es um Prüderie, die in manchen gesellschaftlichen Teilen nach wie vor weit verbreitet ist? Oder wird hier auf Kosten der Erotik- und Sex-Liebhaber Wahlkampf betrieben? Eine ehrliche Antwort wird es zumindest in nächster Zeit wohl kaum geben, doch dürfte interessant sein, wie sich die Situation nach den Wahlen darstellt. Verwunderlich wäre es jedenfalls nicht, wenn dann plötzlich alles wieder als nur halb so schlimm dargestellt wird.

Am Bodensee wollen sich die Erotik- und Sex-Freunde jedenfalls nicht so leicht in die Ecke treiben lassen. Und zwar aus gutem Grund: Es ist wohl kaum ein Ort besser geeignet als ein Schiff auf offenem Wasser, um ein paar schöne erotische Stunde ohne neugierige Blicke zu verleben. Und diese Privatsphäre sollten doch wohl auch Kommunalpolitiker nicht so ohne weiteres einschränken dürfen.